Aufnahmebedingungen

Wie wird man Mitglied im VS?

Mitglied im Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS in ver.di) können alle haupt- und nebenberuflichen Autorinnen und Autoren, Übersetzerinnen und Übersetzer werden, die ihr fachliches Können nachweisen können. Voraussetzung für die Aufnahme in den VS ist mindestens eine Buchpublikation, die nicht durch den Einsatz eigener Geldmittel (Selbstverlag, Druckkostenzuschuss-Verlag) zustande gekommen ist, oder die Sendung eines Hör- oder Fernsehspiels oder die Aufführung eines Films oder Theaterstückes. 

Bei der Buchpublikation kann es sich sowohl um ein belletristisches oder wissenschaftliches Werk als auch um ein Sachbuch handeln. Die Herausgabe eines Buches sowie die Mitarbeit in Anthologien, Zeitungen, Zeitschriften oder kurze Hörfunk- oder Fernsehsendungen reichen für die Aufnahme in den VS nicht aus. Soweit ausländische Autorinnen und Autoren Urheberrechte in ihrem Heimatland nachweisen können, ist eine Mitgliedschaft im VS möglich. Außerdem können Inhaber und Inhaberinnen von ererbten Urheberrechten als sog. Autorenerben Mitglied im VS werden. Die Mitgliedschaft im Berufsverband der Schriftsteller ist durch die Geschäftsordnung geregelt. Nur der gewählte Landesvorstand ist berechtigt, Autorinnen und Autoren in den VS aufzunehmen. Möchten Sie Mitglied im VS-Baden-Württemberg werden, dann füllen Sie bitte den Mitgliedsantrag aus und schicken ihn an:  

Dagmar Mann
Landesbezirk Baden-Württemberg
Fachbereich Medien, Kunst und Industrie
Theodor-Heuss-Straße 2 / tHeo.1
70174 Stuttgart
Postfach 10 10 45, 70009 Stuttgart
Telefon +49 711 88788-0803
Telefax +49 711 88788-0899

Feder 107 erschienen

Inhaltsverzeichnis - unter anderem:

  • Editorial zur Ausgabe 107
  • Einladung zur Mitgliederversammlung 2016
  • Zum Tod von Egon Rieble

 

Mehr vom VS Baden-Württemberg

Auszüge aus Feder 107

Editorial zur Ausgabe 107

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wo sind eigentlich die Gedichte, Polemiken und Reden der Schreibenden zu den aktuellen Themen der Politik - Bankenrettung, Militarisierung der Politik, Rückfall in den Nationalismus, TTIP und so weiter -, hat sich jüngst ein Kollege gefragt. Sind sie nicht da oder werden sie totgeschwiegen? Das eine ja, das andere nein. Politik findet statt, meist in Krimis, und totgeschwiegen werden sie nicht. Sie sind nur nicht mehr die Aufreger, die Skandale, die in den Sechzigern und Siebzigern Günter Grass oder Günter Wallraff noch erzeugen konnten. Die Welt ist halt eine andere. Inzwischen gibt es Privatfernsehen, das den Tabuausbruch ins Monströs-Banale vollzogen hat, und die gigantische Veröffentlichungsmaschinerie des Internets mit seinen sozialen Medien. Sie haben die Bühne für alle geöffnet. Die Deutungshoheit hat nicht mehr der oder die literarisch Schreibende, sondern es haben sie alle. Und jeder und jede kann einen kleinen Skandal produzieren. Je abwegiger die verbreitete Meinung, je monströser die Weltdeutung, desto mehr Aufmerksamkeit gewinnen sie. Die veröffentlichte Meinung wird vielstimmiger, schwirrender und verwirrender, das ja. Aber das Alles zeigt auch, dass wir in einer demokratischen, also offenen und duldsamen Gesellschaft leben, in der alle das sagen dürfen, was sie sagen wollen, ganz gleich, ob es durch Analyse untermauert ist oder nicht.

Unsere Rolle als Schriftsteller/innen hat sich verändert. Es gibt kein Tabu, das nicht schon irgendwo im Netz gebrochen worden wäre, keine Polemik, die nicht geschrieben wurde, und vor allem keine Hasstiraden, die nicht schon irgendwo stehen. Wir sind gar nicht mehr so sehr diejenigen, die angreifen und die Herrschenden mit Hohn und Spott überziehen, die aussprechen, was die Mächtigen schmerzt - es schmerzt sie nichts mehr -, sondern vielleicht eher diejenigen, die besonnen bleiben, die dem reinen Gefühl eine verständige Analyse zur Seite stellen, dich sich selbst zuweilen des Irrtums überführen, eben diejenigen, die aus den Clustern immer gleicher sich durch das allgemeine Geschrei verstärkender Meinungen, die das Internet erzeugt, ausbrechen, und sich besinnen auf eine Lebenseinstellung, die zugibt, dass sie sich irren kann, dass andere Recht haben könnten, die bereit ist Argumente zu hören und einzuräumen, dass wir der Wahrheit vielleicht zusammen eher auf die Spur kommen als alleine.

In diesem Sinne wünsche ich euch einen unaufgeregten aber intensiven Herbst. 
Christine Lehmann

 

Papier ist geduldig, Menschen sind´s meistens nicht

Zum 70. Geburtstag von Peter Frömmig

In den Papierkorb befördert werden / Ganze Wälder, Holzfasern von Bäumen / Die ich gerne umarmt hätte, im Zettel / Auf den ich notiere diese Zeilen

So beginnt ein Gedicht von Peter Frömmig aus dem ersten Halbjahr 2016. Es zeugt von Naturliebe und Kritik an der aktuellen Politik, aber auch für die Verfasstheit des lyrischen Ich. Am 11. Juni wurde der Marbacher Autor 70 und sagte der Marbacher Zeitung auf die Frage, was für ihn Erfolg bedeute: „Glücklich macht mich jede Aufmerksamkeit und Anerkennung für das, was ich in meinen Büchern verfasst habe“.
Daran gemessen war Peter meistens unglücklich. Geboren 1946 in Eilenburg / DDR, aufgewachsen in Speyer, ging er nach einer Feinmechanikerlehre und einigen Jahren Fabrikarbeit 1965 nach Köln. Seinen Lebensunterhalt verdiente er als Zeichner bei der Post. Sein Lebensinhalt jedoch waren Literatur, Theater und Kunst. Ohne Abitur blieb ihm die Universität verschlossen, also hörte er als Gast Vorlesungen und begann zu schreiben. 1968, im Jahr der Studentenproteste, folgte er der Einladung zu einer Dramatischen Werkstatt der Salzburger Festspiele unter Leitung des Regisseurs Friedrich Schreyvogl und des Kritikers Karl Maria von Grimme. 
Er reiste per Anhalter aus Köln, war streckenweise im Regen die Autobahn entlang zu Fuß gegangen, kam daher ziemlich verdreckt am frühen Vormittag ins Café Bazar zu seiner Verabredung mit den beiden Herren und wäre vom Oberkellner fast gleich wieder hinausbefördert worden. Doch Schreyvogl machte klar, dass sie den „Penner“ erwarteten. Peter hat mir diese Geschichte vor 15 Jahren erzählt. Seitdem war das Künstlercafé “Bazar” sein Salzburger Lieblingsort: schräg gegenüber dem alten Mozarteum, in Sichtweite zum Theater. Hier hatten wir unser Basislager, trafen Autoren und stärkten uns für die Fußmärsche in einer Recherche-Woche für ein gemeinsames SWR-Radiostück über unsere Vergangenheiten: ich in der Getreidegasse am linken Salzachufer, er in der Steingasse am rechten.
Von dort aus lief Peter anschließend sieben Jahre lang öfter zum ORF-Studio, das ihn für seine ersten Erzählungen bezahlte, zu Lesungen von H.C. Artmann oder Zeichenkursen bei Oskar Kokoschka. Sein Nachbar war der Zukunftsforscher und ökologische Vordenker Robert Jungk. Peter hat schließlich eine amerikanische Pianistin geheiratet und ist ihr 1975 in die USA gefolgt. Dort fehlte die Basis für literarische Arbeit, aber er konnte mehrfach Zeichnungen ausstellen. Als die Ehe scheiterte, ging Peter 1981 nach Freiburg und verlegte sich wieder mehr aufs Schreiben, doch ohne großen Erfolg.
1995 folgte er seiner zweiten Frau nach Marbach am Neckar. Auch oder gerade dort blieb der Durchbruch aus. Marbach ist ein schwieriges Pflaster für Autoren.

Die Filmemacherin Sabine Willmann hat über Peter geschrieben, er sei „einer, der gerne in Buchstabensuppe badet“. In ihrem SWR-Film „Im Schatten Schillers“ meinte sie, Frömmig stehe in niemandes Schatten. Trotzdem, und obwohl er dort den Weggefährten und Verleger Lorenz Obleser fand: Es blieb schwierig. Peter Frömmig weiß aus Erfahrung, dass manches Lob einfach nur peinlich ist. Er ist kein Partylöwe, sondern eher sperrig, verträgt Kritik nicht so gut und hat seinen eigenen Kopf – aber aus dem kommen manchmal wunderbare Sachen. Und das ist dann doch ein Glück.

Bücher von Peter Frömmig:
Im Schatten des Lärms. Zyklische Gedichte. Edition Isele, Freiburg im Breisgau 1988, 56 Seiten,
ISBN 3-925016-34-1

Vom Stadtrand. Gedichte und Prosa. Waldkircher Verlag, Waldkirch 1995, 112 Seiten,
ISBN 3-87885-309-2

Nimmerda. Eine Kindheit in zwei Teilen. Edition Marktstraße, Marbach 2000, 65 Seiten,
ISBN 3-8311-1073-5

Im Lichtwechsel. Erzählungen. Marbach 2002, 110 Seiten,
ISBN 3-935926-04-9

Anderswo. Novelle aus diesen Tagen. Edition Marktstraße, Marbach 2004, 131 Seiten, ISBN 3-935926-16-2

Am Leben sein. Gedichte & Collagen. Gonzo Verlag, 2012, 84 Seiten,
ISBN 978-3-9814439-2-9,

Das Rumoren am Rande der Ereignisse. Prosa-Miniaturen und kleine Geschichten. Edition Monrepos Pop Verlag, Ludwigsburg 2013, 142 Seiten,
ISBN 978-3-86356-066-9

Auf langen Wegen in kleiner Stadt. Etappen und Stationen eines Spaziergangs durch Marbach am Neckar. Collection Montagnola, Freiburg 2016, 88 Seiten,
 ISBN 978-3-8370-9682-8
Widmar Puhl

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