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Flucht aus der Türkei

Flucht aus der Türkei

der türkische Journalist Engin Eren Siegfried Heim/ver.di Engin Eren  – Engin Eren mit Kopien seiner türkischen Presseausweise beim Besuch im Suttgarter ver.di-Haus

Nach dem Putschversuch in der Türkei wurde auch der junge Journalist Engin Eren verhaftet. Ab 13. August 2016 saß er 17 Tage in Haft, wo er mit lauter Musik und grellem Licht gefoltert wurde. Danach floh er mit Hilfe von Schleppern und einem Einreisevisum für Holland nach Europa. Derzeit lebt er als Asylbewerber in Nürtingen. Bei einem Besuch im Stuttgarter ver.di-Haus war es ihm ein Anliegen, nicht nur auf sein eigenes Schicksal aufmerksam zu machen, sondern auch auf die Situation der vielen inhaftierten Journalistinnen und Journalisten in der Türkei.

Engin Eren, der für die inzwischen verbotene Nachrichtenagentur DIHA arbeitete war auch vor  2016 bereits mehrmals verhaftet worden - immer nur für wenige Tage. So wurde ihm etwa Unterstützung einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen, weil der die Frau eines Architekten interviewte, der von Polizisten getötet worden war. Oder er wurde als Steinewerfer beschuldigt, obwohl sogar die Fotos der Staatsanwalt zeigten, dass er am Ort des Geschehens lediglich fotografierte. Anders als derzeit fand er aber in den früheren Prozessen bei den Richtern Gehör, die ihm durch Freisprüche bescheinigten, dass er journalistisch arbeitete.

Derzeit kämpft er im Asylverfahren mit der Schengen-Regelung, dass Asylanträge in dem EU-Land zu stellen sind, das zuerst betreten wird. Im Fall des von der "weißen Folter" traumatisierten Engin Eren wäre dies Holland gewesen. Dennoch hofft er, mit Hilfe seiner Anwälte und öffentlicher Unterstützung auf ein Bleiberecht in Deutschland. Er möchte hier Fuß fassen, deutsche Sprachkenntnisse erwerben und von hier aus für Pressefreiheit und ungehinderte journalistische Berufsausübung in der Türkei kämpfen.

Die deutsche journalistinnen und journalisten union (dju in ver.di) unterstützt solidarisch Engin Erens Anliegen und hofft, dass baden-württembergische Journalistinnen und Journalisten die Gelegenheit nutzen, sich bei ihm aus erster Hand über das Schicksal von Kolleginnen und Kollegen in der Türkei zu informieren - und dies dann ihren Lesern, Hörern und Zusehern berichten.