Landesfachbereichskonferenz 2014

Selbstbewusst in die nächsten vier Jahre

Selbstbewusst in die nächsten vier Jahre

Landesfachbereichskonferenz 2014

15.11.2014

Die Landesfachbereichskonferenz des Fachbereichs 8 Medien Kunst und Industrie sieht sich auf dem richtigen Kurs. Eine Weiterverfolgung des ver.di-Reformvorhabens "Perspektive 2015" wird von den Delegierten abgelehnt.

Cordula Weinke, die wiedergewählte Vorsitzende, wies bereits bei ihrem Rechenschaftsbericht auf die Widrigkeiten der Branchen, die der Fachbereich vertritt, hin. Kämpfe, wie etwa die Tarifrunden bei RedakteurInnen und an Tageszeitungen seien zwar durchaus ordentlich gelaufen, aber ähnlich wie etwa bei den Buchverlagen habe es sich in erster Linie um Abwehrkämpfe gehandelt. Immerhin aber sei es den Verlegern nicht gelungen, ältere und jüngere KollegInnen bei Tageszeitungen auseinanderzudividieren. Und "beeindruckend" sei auch der 90 Tage lange Streik beim Schwarzwälder Boten gewesen. So war der Rechenschaftsbericht denn auch nicht nur von Sorgen geprägt: Trotz aller Widrigkeiten "haben wir 2014 eine überraschend gute Mitgliederentwicklung hinbekommen", meinte Weinke.

Dennoch wies sie im Hinblick auf das Reformvorhaben „Perspektive 2015“ auf dunkle Wolken über dem Fachbereich hin: Wenn sich die Finanzlage von ver.di nicht bessere, seien weitere Einsparungen nötig, sagte sie. Dann könne es zum Verschwinden kleinerer Fachbereiche, "auch unseres Fachbereichs", kommen. Sinkende Mitgliederzahlen, Flucht aus den Tarifverträgen, Schließung von Betrieben - das alles sei eine brisante Mischung, mit denen sich die Gewerkschaft auseinandersetzen müsse, so Weinke.

Die ver.di-Landesvorsitzende Leni Breymaier wies in ihrem Grußwort auf einen wichtigen Erfolg hin: Das von der Landesregierung verabschiedete Gesetz für einen einwöchigen Bildungsurlaub.

 "Politische Bildung ist bitter nötig", sagte Breymaier mit Blick etwa auf geringe Wahlbeteiligungen. Die jetzige Regierung sei "etwas besser" als frühere, jetzt aber dürfe man die politische Bildung nicht allein Volkshochschulen und Landfrauen überlassen - ein deutlicher Hinweis auf eine weitere Herausforderung für die Gewerkschaften.

"Wir können mit Selbstbewusstsein auf unsere Arbeit schauen", rief der stellvertretende ver.di-Bundesvorsitzende Frank Werneke den Delegierten zu. Kritisch setzte sich Werneke mit ständischen Gewerkschaften wie der der Lokführer (GDL) oder dem Deutschen Journalistenverband (DJV) auseinander. Mit den Worten "wir haben den Anspruch einen politische Gewerkschaft zu sein", grenzte Werneke ver.di von solchen Organisationen ab: "Uns interessiert nicht nur ein Beruf". Auch mit der Bekräftigung der Ablehnung des Tarifeinheitsgesetzes fand Werneke Beifall bei den Delegierten: Dieses öffne den Arbeitgebern Tür und Tor dafür, dass sie sich unter dem Motto "ein Betrieb, eine Gewerkschaft" Betriebe "so stricken können, dass die von ihnen bevorzugte Gewerkschaft eine Mehrheit hat“.

Werneke machte den Delegierten Mut für die weitere Arbeit: ver.di habe "große Wachstumspotentiale", etwa im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und in der Internetwirtschaft.

So gerne indes solches gehört wurde, mit einem Anliegen drang der stellvertretende ver.di-Bundesvorsitzende nicht durch. Auch wenn er versicherte, die Pläne für Veränderungen der Organsationsarbeit von ver.di unter der "Perspektive 2015" würden die Basisarbeit nicht verschlechtern - die Delegierten blieben skeptisch und nahmen mit großer Mehrheit einen Antrag an, der Werneke wenig gefallen dürfte: "Die Umsetzung des Papiers "Perspektive 2015" wird nicht durchgeführt. Die Richtung des Papiers wird nicht weiter verfolgt."

Die Richtung für die "Perspektive 2015" ist im Kern eine Trennung zwischen Betriebsarbeit und persönlicher Beratung von Mitgliedern in speziellen individuellen Fragen am Telefon. Mit dem Antrag müssen sich nun weitere Gremien von ver.di beschäftigen, an die dieser überwiesen wurde - Stoff auch für weitere Debatten.

In weiteren Anträgen setzten sich die Delegierten für eine Erhöhung des Mindestlohns auf zehn Euro und für eine Rücknahme des Gesetzes zur Rente mit 67 ein. Zudem wurden eine paritätische Finanzierung der Krankenversicherung und die Erstellung eines Handlungsrahmens zum gewerkschaftlichen Widerstand gegen Umweltzerstörung und Kriege gefordert.

Für die kommenden vier Jahre trägt wieder der bisherige geschäftsführende Landesbezirksvorstand der Fachgruppe die wesentliche Verantwortung:

Neben Cordula Weinke wurden auch Karin Hoffmann, Wolfgang Kienzle und Hans-Peter Zagermann in ihren Ämtern bestätigt. Neues gibt es dennoch zum Jahreswechsel: Siegfried Heim wird Gerhard Vohs als hauptamtlichen Landesfachbereichsleiter ablösen!

Konferenzen bringen neues, sind aber eben auch Veranstaltungen, in denen es um Abschied engagierter Kolleginnen und Kollegen geht. Ausgeschieden sind während der vergangenen vier Jahre die ehrenamtlichen Vorstandsmitglieder Eva Matzerath und Karlheinz Belz, ebenso die Hauptamtlichen Rudi Munz und Manfred Dombrowski. Ihnen sprach der zum Jahreswechsel scheidende Landesfachbereichsleiter Gerhard Vohs unseren Dank für das Engagement in den vergangenen Jahren aus. / US