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Über Reallohnverlust reden

Über Reallohnverlust reden

22.1.2019

Wenn aus zwei Gehaltserhöhungen von 1,9% und 2,4% wegen langer Laufzeiten und vieler Nullmonate tatsächlich im Schnitt eines Jahres nur 1,3% werden, dann ist dies bei einer Jahres-Inflationsrate von rund 2% ein echter Reallohnverlust für die Zeitungsredakteur*innen. Die erste baden-württembergische Tarifkonferenz der deutschen journalistinnen und journalisten union (dju in ver.di) in diesem Jahr beschloss deshalb, diesen unbefriedigenden Zustand zum Thema der tarifpolitischen Diskussion in den Redaktionen zu machen.

Die dju-Vertreter*innen aus den baden-württembergischen Zeitungsredaktionen, die sich voriges Jahr mit Streiks für einen besseren Tarifabschluss eingesetzt hatten, bekräftigten ihre Kritik am Verhandlungsergebnis vom Juli 2018 und bestätigten damit die Linie aus der dju-Mitgliederbefragung und den Beschlüssen der Bundestarifkommission. Auch wenn die mit ver.di konkurrierende Journalistenorganisation DJV mit den Zeitungsverlegern auf dieser Grundlage einen Tarifvertrag geschlossen habe, gebe es keinen Grund, den unbefriedigenden Stand der Tarifentwicklung bei Betriebs- und Redaktionsversammlungen auszuklammern. Die dju in ver.di stehe nach wie vor für die Forderung nach einer Reallohnsteigerung, um die für die Attraktivität des Journalistenberufs fatale Gehaltsentwicklung zu beenden, die sich daran zeige, dass die Redakteursgehälter in den vergangenen 15 Jahren das tarifpolitische Schlusslicht in Deutschland bildeten - verbunden mit einer spürbaren Reallohnsenkung.

Die Diskussion mit den betroffenen Zeitungsjournalist*innen ist nach einhelliger Meinung der dju-Aktiven notwendig, um im Hinblick auf 2020 in der dju eine gute Grundlage für die Forderungsdiskussion zur nächsten Tarifrunde zu bekommen. Nur mit einer intensiv geführten Debatte könne die nächste dju-Landestarifkonferenz, die für Oktober geplant ist, sich auf das kommende Jahr so vorbereiten, dass es kein "Jammerjahr" werde. In dem von ver.di nicht unterzeichneten Verhandlungsergebnis ist für 2020 keine prozentuale Gehaltserhöhung vorgesehen - bei gleichzeitig drohender Kündigung des Manteltarifvertrags, mit der die Zeitungsverleger versuchen könnten, weitere Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen der Redakteur*innen durchzusetzen.