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Dritter Warnstreik beim SWR

Dritter Warnstreik beim SWR

Die Hörfunknachrichten minus Streikende ver.di / Kay-Uwe Hennig Die Hörfunknachrichten minus Streikende
Leeres Studio im Bericht von SWR aktuell Bildschirmfoto ver.di Leeres Studio im Bericht von SWR aktuell

23.10.2019

Von morgens 8 Uhr bis nach Mitternacht streikten heute rund 500 Kolleginnen und Kollegen des SWR. Hörfunk- und Fernsehnachrichten waren deutlich beeinträchtigt.

Grund für den bereits dritten Ausstand im Sender ist der Ärger der Beschäftigten über ihren Arbeitgeber, der ihnen weiterhin Entgeltsteigerungen im Volumen des öffentlichen Dienstes verweigert – wie dies bisher üblich war. Das letzte Angebot des Senders beinhaltete Erhöhungen von 2,5 und 1,7 Prozent für zwei Jahre und liegt damit über zwei Prozent unter dem Abschluss im öffentlichen Dienst der Länder.In

In Baden-Baden, Mainz uns Stuttgart fanden mehrere Kundgebungen statt. Gestreikt wurde aber auch in den Studios Tübingen und Freiburg.

Siegfried Heim, ver.di Verhandlungsführer: „Die Streikenden sind auch verärgert über die Landesregierungen, die seit Monaten eine Entscheidung über den Rundfunkfinanzierungsstaatsvertrag verschleppen. Wenn die Politik die Haushalte deckelt und die Sender bei Gehaltssteigerungen mit Personalabbau drohen, ist von der Tarifautonomie nicht mehr viel übrig.“

Am kommenden Montag will die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) ihre Empfehlung zur Beitragserhöhung bekannt geben. ver.di befürchtet, dass dabei zukünftige Tarifsteigerungen weiter erschwert werden sollen. Am Freitag finden zur Sondierung Tarifgespräche auf ARD-Ebene statt, da in allen Sendern die Arbeitgeber angemessene Tarifsteigerungen verweigern. Die nächste Verhandlungsrunde im SWR ist am 7. November.

Ursprünglich hatte ver.di für den SWR eine Gehaltssteigerung von sechs Prozent, mindestens aber 200 Euro gefordert – und darüber hinaus eine höhere Start-Eingruppierung für junge Beschäftigte, die ihre Ausbildung im SWR erfolgreich absolviert haben. Der diesjährige Tarifabschluss im öffentlichen Dienst der Länder, der bisher stets als Orientierungsrahmen für Abschlüsse galt, sieht Tarifsteigerungen im Volumen von acht Prozent über 33 Monate vor.

Streikkundgebung in Stuttgart mit der Capella Rebella ver.di Streikkundgebung in Stuttgart mit der Capella Rebella
Streikkundgebung in Baden-Baden ver.di / Manfred Friedrich Streikkundgebung in Baden-Baden
Streikende im Studio Freiburg Jan Lehmann Streikende im Studio Freiburg

Solidaritätsadressen und Auswirkungen aufs Programm

Zuspruch erhielten die SWR Streikenden in fünf Solidaritätsadressen. Manfred Kloiber, Bundesvorsitzender der ver.di-Fachgruppe Medien, der beim Deutschlandradio arbeitet, schrieb:

"Die ganze Fachgruppe Medien ist stolz und froh darüber, dass die Senderverbände der ARD, des ZDF und von Deutschlandradio sich so geschlossen und kraftvoll gegen die Arbeitgeber stemmen, die die Beschäftigten von der Entwicklung im öffentlichen Dienst abkoppeln wollen. Danke für Euren Einsatz!"

Für die Kolleg*innen des Bayrischen Rundfunks schrieb Werner Przemeck:

Liebe Kolleginnen und Kollegen des SWR!
Unsere aufrichtigen und solidarischen Grüße zu Eurem heutigen Streiktag im ganzen SWR. Was Ihr auf die Beine gestellt habt, um Euren hohen Damen und Herren zu zeigen, was angesagt ist, verdient  Respekt und Anerkennung. Wir , die ver.di-Mitglieder im BR, dem IRT, der ARD-ZDF Medienakademie, der ARGE RBT wissen selbst, was es bedeutet zum ersten Mal einen Streik in dieser Dimension über einen ganzen Tag auf die Beine zu stellen.
Gemeinsam sind wir stark!!! Gemeinsam halten wir zusammen und lassen uns auch nicht auseinanderdividieren. Wir die beschäftigten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk lassen uns nicht die Butter vom Brot nehmen!
Mit solidarischen Grüßen für den geschäftsführenden Verbandsvorstand

Für die Kolleg*innen des Saarländischen Rundfunks meldete sich Michael Steinmetz zu Wort:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
im Namen des ver.di-Senderverbandes Saarländischer Rundfunk darf ich Euch unsere solidarischen Grüße übermitteln!
Ihr setzt mit Eurem Streik ein unübersehbares Zeichen in einer Tarifrunde, in der die Arbeitgeber versuchen, die Beschäftigten des gesamten Öffentlich-rechtlichen Rundfunks von der allgemeinen Tarifentwicklung in Deutschland abzukoppeln. Euer Streik ist nicht nur ein Streik der KollegInnen des Südwestrundfunks. Euer Streik ist ein Streik der Beschäftigten des gesamten Öffentlich-rechtlichen Rundfunks!
Wir wünschen Euch deshalb weiterhin viel Durchhaltevermögen und Erfolg!

Und die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Baden-Württemberg, Gabi Frenzer-Wolf, die gleichzeitig Rundfunkrätin des SWR ist schrieb auf Facebook:

Ihr seid klasse 👏👏👏 Jetzt dranbleiben 💪💪💪, denn ihr seid mehr wert❗

Stephanie Vonarburg, Vizepräsidentin der schweizer Gewerkschaft Syndicom und dort auch Leiterin des Sektor Medien schrieb:

Gratulation an die KollegInnen beim SWR zum Streiktag! Mit Geschlossenheit und Mut kommt Ihr der Durchsetzung Eurer Rechte und Anliegen einen großen Schritt näher. Solidarische Grüße von der schweizerischen Gewerkschaft der Medienschaffenden.

Im Programm hatte der Streik erhebliche Auswirkungen. In Tübingen und Freiburg entfielen die regionalen SWR4-Hörfunknachrichten, auch die überregionalen Hörfunknachrichten von SWR aktuell konnten bis in den späten Nachmittag hinein nicht gesendet werden. Im Fernsehen wurde die Landesschau aus einem improvisierten Studio aus dem Verwaltungsgebäude des SWR gesendet. Die Nachmittags-Nachrichtensendungen für Baden-Württemberg wurden durch die Sendung aus Rheinland-Pfalz ersetzt. Die Hauptnachrichtensendung von SWR aktuell um 19:30 Uhr kam aus dem Regieraum und wurde um 21:45 Uhr lediglich wiederholt. Für die Zuschauer gab es Einblendungen zum Streik unter den Fernsehsendungen, Hinweise der Moderatoren der SWR1-Hitparade für die Hörer*innen und einen Bericht von SWR aktuell in den Nachrichtensendungen.

Im Bericht von SWR aktuell - Streikende reden über Wertschätzung Bildschirmfoto ver.di Im Bericht von SWR aktuell - Streikende reden über Wertschätzung
Die stellvertretende Vorsitzende des ver.di-Senderverbands Brigitte Aigner im Bericht von SWR aktuelle Bildschirmfoto ver.di Die stellvertretende Vorsitzende des ver.di-Senderverbands Brigitte Aigner im Bericht von SWR aktuell
Kay-Uwe Hennig im Bildschirmfoto ver.di ver.di-Vertrauensmann Kay-Uwe Hennig im Bericht von SWR aktuell
Die Landesschau wurde in einem Verwaltungsbüro improvisiert Bildschirmfoto ver.di Die Landesschau wurde in einem Verwaltungsbüro improvisiert

Links zu weiteren Berichten

Stuttgarter Zeitung

SWR

ver.di-Pressemitteilung